… besteht ja seit jeher darin, aus dem, das sich zunächst in einem diffusen Nicht-Raum, der ja doch irgendwo Raum ist, befindet, etwas zu formen, das zuanfangs eine hohle Idee ohne Hülle ist, wobei etwas Hohles ohne Hülle wohl kaum existieren kann, was die Hohlheit der Idee nur noch verstärkt oder die Idee zur Banalität verdammt, um diese Idee dann nach und nach mit Inhalt zu befüllen, und wo Inhalt begrenzt ist, was er immer ist, formt sich damit ganz automatisch ihre Umhüllung, sodass die gereifte Idee inhaltlich voll ausgebildet, aber endlich ist, was sie sein darf, denn sonst wäre es dem Autor nicht möglich, die Idee letztlich zu Papier zu bringen, da er früher oder später im Schreibprozess auf seine beste Freundin, die Semantik, trifft, die ihm stets auf den Fersen ist und die Bedeutung seiner fabrizierten Zeichen hinterfragt und offenlegt, nachdem der Schreibende ihr ein Schnippchen geschlagen hat, greift er doch, ob er will oder nicht, auf die Onomasiologie zurück, die ihm ebenfalls eine gute Freundin ist, mindestens eine Zweckfreundin, denn verstehen muss man sich ja nicht, aber verstehen sollte man sie, da ohne sie alles nichts ist, und in cainem anderen Falle trifft dieses Bonmot so sehr zu wie bei der Onomasiologie, die das Handwerk, das notwendige Handwerk des Schreibenden ist, aber nicht nur dessen, sondern auch das des Redenden und des Meinenden überhaupt, wenn nicht sogar des universal Seienden, der wie der Autor auch, vielleicht nicht so oft wie dieser, auf Neues, bislang Unbezeichnetes stößt, sodass er selbst Agent zwischen Neuem und Rezipienten wird und dabei auf eben jene Onomasiologie zurückgreift, wobei nicht ganz ausgemacht ist, ob sie nicht auf ihn zurückgreift, was wir hier einmal demonstrieren wollen, indem wir uns vorstellen, der Autor beschreite seinen üblichen Weg, auf dem er nun auf etwas vollkommen Neues treffe, das zu beschreiben eine unabdingbare Voraussetzung ist, will er seiner Idee eine Hülle geben und dieser bzw. ihrem Gegenstand, der nicht zwingend Objekt, sondern auch Subjekt sein kann, womöglich eine ideologische Botschaft mitgeben, wie beispielsweise durch Zuweisung eines bzw. gleich aller Geschlechter, sodass ein ganz neuer Begriff steht, der, wie in diesem Beispiel, nicht nur alle Regeln bricht, sondern ignoriert und dadurch deutlich macht, dass er sich für mächtig genug hält, das zu tun und seinen Rezipienten aufzuoktroyieren, die das entweder annehmen, ablehnen oder schlicht nicht bemerken, wobei auf letztes meist gesetzt wird, wenn es um solche ideologischen Verrenkungen geht, womit wir den Schauplatz wechseln oder überhaupt erst betreten, denn ein Schauplatz ist das Mindeste, das der Autor benötigt, noch vor den Protagonisten, ohne die es nämlich ginge, denn Semantik und Onomasiologie brauchen ihn nicht, denn obwohl Monstren, sind sie genügsam und weil der Autor das weiß, ist es an ihm, sie herauszufordern, sie zu provozieren oder sie einfach nur als Partnerin an seiner Seite zu haben, doch am Ende geht es nicht ohne sie, denn auch und allein der Schauplatz hat bereits eine Bedeutung, denn es macht den Unterschied, ob er der alten Dame über die Straße oder über den Jordan hilft – in einem Falle ist sie nur vielleicht, im anderen ganz gewiss nicht mehr unter den Lebenden, sodass wir hier bereits die Macht der Semantik spüren, auf die der Autor trifft, während der Leser obendrein das Vergnügen hat, sich mit der Textsemantik auseinanderzusetzen, von der abhängt, ob Großmutter über den Jordan geht, bildlich, oder buchstäblich, unabhängig von der Frage, wie sie das eigentlich schafft, da Wassersandalen lediglich vor grobem Schmutz und Kies auf dem Grund des Jordans schützen, ihr aber nicht das Über-das-Wasser-Schreiten possiblieren, denn das vermag nur ein Wasserfahrzeug oder das Beherrschen vor allem ausdauernder und ausgefeilter Schwimmtechnik, die man von einer alten Dame, der über die Straße geholfen werden muss, nicht in jedem Fall unterstellen kann, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen, doch das ist eben auch wieder eine Frage der semantischen Betrachtung unseres Schauplatzes, der im schlichtesten Fall wie hier ein Weg sein möge, auf dem nun hinzuzufügenden Protagonisten Dinge widerfahren, die seinen Weg eben verlängern oder verkürzen, sodass er entweder später oder früher das erreicht, was immer das Ende eines Weges markiert, scilicet das Ziel, dessen Erreichung auch meist das Ende der Erzählung, das Ende aller Erzählungen, ist, und meist nicht einmal das Entscheidende, da der Höhepunkt ja meist schon zuvor auf dem Wege zum Ziel erreicht wird, bevor der etwaige Spannungsbogen wieder nach unten strebt und auf diese Weise dem Autor noch Zeit gibt, darüber nachzudenken, was denn eigentlich am Ende des Weges kommen soll, denn wichtiger ist das, was unterwegs geschieht, woraus folgt, dass Wege eben niemals langweilig sind, sofern sie nicht geradlinig verlaufen, sondern Irrungen und Wirrungen ihr eigen nennen dürfen, die ja nur deshalb zu Wirrungen werden, weil da jemand ist, der sich verwirrt, der Protagonist, der einen Weg durch sein Beschreiten erst bereichert und erst zum Weg macht, sodass wir entgegen früherer Annahme durchaus behaupten können, dass, wenn er auch nicht notwendig ist, er eine Erzählung mindestens bereichert und die Frage aufwirft, ob ein Weg, der gar nicht beschritten wird, überhaupt ein Weg sein kann oder jemals zu einem Weg geworden sein kann, denn es drängt sich die Annahme auf, dass erst durch Beschreiten eines Weges der Weg zum Weg wird – aber erst dann, wenn der Beschreitende, der Protagonist also, des Weges Ende, das Ziel, erreicht, denn mathematisch betrachtet ist der Weg keine Gerade und auch kein Strahl, sondern eine Strecke mit der Einschränkung, dass diese anders als in der genannten Wissenschaft nicht die kürzeste Verbindung zwischen Start- und Endpunkt sein muss, was sich aber im konkreten Fall aus der Ideenhülle des Autors ergibt, was uns zurück zu den Irrungen und Wirrungen bringt unter Beachtung der Tatsache, dass es keine Abzweigungen gibt, da die Geschichte, einmal geschrieben, einen geraden Verlauf nimmt, auch dann und obwohl die erzählte Geschichte alles andere als gerade erscheint, was eben die Kunst des Schreibenden ausmachen kann, denn zweifellos ist es eine Kunst, ein Handwerk, sich diesen Bedingungen, auch semantischen, nicht nur hinzugeben, sondern sie im vorgegebenen Rahmen zu gestalten und auszureizen.

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